Schematische Darstellung eines aerodynamischen Flachdachsystems mit Windleitblech

Ballastierte Flachdachsysteme funktionieren nur als Gesamtsystem: Die Ballastberechnung des Herstellers gilt ausschließlich für die geprüfte Konfiguration – inklusive Windleitblechen, wenn diese Teil des Windkanalversuchs waren.

Das Problem in der Praxis

Auf Baustellen werden Windleitbleche gerne “eingespart” – aus Kostengründen oder weil die Kabelführung dahinter unbequem ist. Damit verlässt man aber die geprüfte Systemkonfiguration:

  • Die aerodynamischen Beiwerte aus dem Windkanalversuch gelten nicht mehr.
  • Die Ballastierung ist rechnerisch nicht mehr gedeckt.
  • Im Schadensfall (abgehobene Module nach Sturm) steht der Errichter in der Haftung.

Worauf bei der Prüfung zu achten ist

  1. Systemkonfiguration dokumentieren: Fotos der Windleitbleche, Feldränder und Randabstände.
  2. Ballastplan gegen Montageanleitung prüfen: Stimmen Gebäudehöhe, Geländekategorie und Randzonen mit den Eingaben der Herstellersoftware überein?
  3. Windlastannahmen: Grundlage ist EN 1991-1-4 mit nationalem Anhang – die Böengeschwindigkeitsdrücke unterscheiden sich je nach Standort deutlich.

Merksatz: Ein ballastiertes System ohne die vorgesehenen Windleitbleche ist kein “etwas leichteres System”, sondern ein ungeprüftes System.

Fazit

Windleitbleche sind keine Zubehör-Option, sondern – wo in der Systemprüfung vorausgesetzt – statisch relevanter Systembestandteil. Wer sie weglässt, braucht eine eigene, projektbezogene Nachweisführung.