Die Dimensionierung einer Leitung ist keine Bauchentscheidung, sondern eine Kette von Bedingungen. Wer sie in der richtigen Reihenfolge abarbeitet, kommt zu einem belastbaren – und dokumentierbaren – Ergebnis.
Die Bemessungskette
| Größe | Bedeutung | Bedingung |
|---|---|---|
| Ib | Betriebsstrom des Stromkreises | Ausgangspunkt |
| In | Nennstrom der Schutzeinrichtung | Ib ≤ In |
| Iz | Strombelastbarkeit der Leitung | In ≤ Iz |
| I2 | Großer Prüfstrom der Schutzeinrichtung | I2 ≤ 1,45 · Iz |
Bei Leitungsschutzschaltern nach EN 60898 ist die Bedingung I2 ≤ 1,45 · Iz automatisch erfüllt, wenn In ≤ Iz eingehalten wird – bei Schmelzsicherungen (gG) muss man genauer hinsehen.
Rechenbeispiel: Steckdosenstromkreis Werkstatt
Gegeben: Drehstromkreis, Ib = 14 A, Verlegung im Wärmedämmstoff (ungünstige Verlegeart), Umgebungstemperatur 30 °C, keine Häufung.
- Schutzorgan wählen: LS B16 → In = 16 A ≥ 14 A ✓
- Belastbarkeit der Leitung in der tatsächlichen Verlegeart aus den Tabellen ermitteln (Verlegeart und Häufung sind die häufigsten Fehlerquellen!).
- Reduktionsfaktoren anwenden – erst danach mit In vergleichen.
- Spannungsfall prüfen (bei langen Leitungen oft die maßgebende Bedingung).
- Abschaltbedingung im Fehlerfall kontrollieren.
Häufigster Fehler in Befunden
Die Verlegeart wird “optimistisch” angenommen. Eine Leitung, die auf 30 cm durch die Dämmebene läuft, ist für die gesamte Strecke wie in der ungünstigsten Verlegeart zu bewerten – nicht anteilig.